Kekse, Folie, Glas, Pappe und Metall

07.10.2017

Studenten der Verpackungstechnik auf Exkursion  

Eine Woche vor Semesterbeginn besuchten 29 Studenten des Studiengangs Verpackungstechnik unter Leitung von Prof. Eugen Herzau sehr unterschiedliche Unternehmen aus der Branche.  

Zum süßen Auftakt wehte den Studenten in Polch bei der Firma Griesson – de Beukelaer bereits beim Aussteigen aus dem Bus der Duft von frisch gebackenen Keksen um die Nase. Natürlich ging es nicht um Rezeptur und Backgeheimnisse. Verpackungen und Abpackprozess standen im Mittelpunkt der Werksführung, die drei junge Mitarbeiter in der sehr erfrischender Art und Weise leiteten.
Was macht ein Verpackungsentwickler eigentlich den ganzen Tag? Diese Frage geht an Viviane Bach, Absolventin des Studiengangs Verpackungstechnik der Hochschule der Medien, Stuttgart. Am Beispiel des Relaunchs einer Cookie-Einzelpackung zeigt die Leiterin der Verpackungsentwicklung, dass eine Verpackung von der Idee bis ins Regal einen langen Weg zurücklegt. Materialentwicklung, Technologieanpassung, eine Vielzahl von Versuchen und Messungen, auch Fehlschläge, umfassen den Projekthergang. Auch Korrekturen am Produkt, gegebenenfalls eine Verkleinerung des Keksdurchmessers können sich als notwendig erweisen, um mit angepassten Transportverpackungen optimale Flächennutzung auf Paletten zu bewirken. Hinzu kommt das Tagesgeschäft, das spontane Lösungen erfordert, wenn zum Beispiel eine Maschine ausfällt oder ein Material Stopper verursacht.

Klöckner Pentaplast, Montabaur, gilt als größter Hersteller von Hartfolie für den Einsatz im Pharma und Foodbereich, aber auch im Sicherheitsbereich für Kreditkarten. Wie man für sein Unternehmen und seine Produkte brennen kann, machte Prof. Christian Kohlert bei der Vorstellung der Folien, ihrer Eigenschaften und Herstellung mit lebhaften Worten deutlich. Die jahrelange Datenanalyse einer Vielzahl von Einflussfaktoren auf den Herstellungsprozess erlaubt eine inzwischen weitgehende Vorhersage von Parametern bei Änderungen von Einstellungen, beispielsweise der Walzentemperatur im Kalander. Ein interessanter Aspekt weiterhin ist die Möglichkeit der gezielten Beeinflussung von Folieneigenschaften durch die Integration von Nanoteilchen. Damit können antimikrobielle Wirkungen erzielt, Time-Indikatoren zur Anzeige einer Lebensmittelhaltbarkeit impliziert oder Fälschungsschutz generiert werden.

Nach Keks und Folie stand der Mittwoch im Zeichen hochwertigen Glases, zunächst in der Glashütte Verallia in Wirgis. Ein gewisser Respekt erfüllt den Besucher in der Nähe der riesigen Glaswanne und beim Anblick der glühenden, nahezu 1.600 °C heißen Flüssigkeit, die über ein Rinnensystem dem Formgebungsprozess zugeführt wird – wahrlich schweißtreibend. Zwei dieser Wannen mit jeweils 3.500 Tonnen Glas speisen mehrere Glasformungsmaschinen, auf denen rund um die Uhr Flaschen entstehen werden, 1,5 Millionen täglich.

Keramischer Siebdruck, Pulverbeschichtung und das Verdrucken von Lumineszenzfarben oder Edelmetallen wie Gold und Platin machen Glasverpackungen zu echten „Hinguckern“, ob im Verkaufsregal oder an der Bar. Mit Stolz stellt Peter Böttger, Gründer der Firma Deco Glas, Montabaur, die Veredelungsverfahren vor. Daneben wurde bei als Weltneuheit eine Anlage zur Metallisierung von Flaschen gezeigt, die edle Silber , Gold- und andere Metalltöne auf Glasoberflächen bannt.
Die Erfolgsgeschichte eines Produktes liege ja auch in der Verpackung, so Carolyn Wagner, Absolventin des Studiengangs Verpackungstechnik der HTWK Leipzig und Geschäftsführerin bei Deco Glas. Sie weiß zu ausgewählten hochveredelten Flaschen auch deren Entstehungsgeschichte zu erzählen, die Anfrage und monatelange Projektarbeit beinhaltet wie auch ein Risiko, ob der Markt die Verpackung, besser gesagt das Produkt überhaupt annimmt.

SD Smith in Fulda ist Wellpappenhersteller und Erstanwender von Preprint-Verfahren bei der Herstellung von Trays und Displays aus Wellpappe. Über neun Millionen Quadratmeter Wellpappe in 300 verschiedenen Sorten (bezogen auf Wellen- und Deckmaterial, Wellenform und Wellenkombination) verlassen monatlich die WPA, die Wellpappanlage. Beim Rundgang durch das Unternehmen wurden daneben auch die Funktionsweise von Flexodruckmaschine und Flachbettstanze veranschaulicht, ebenso war umfangreiche Fördertechnik für Transporte, Zwischenlagerung und Aufteilung von Förderströmen palettierter Zuschnitte zu sehen.
Andreas Nagel, Produktmanager, verdeutlicht am Beispiel einer neuen Shelf-Ready-Verpackung die Herausforderungen bei Projektarbeiten. Diese Transportverpackung dient gleichzeitig der attraktiven Produktpräsentation im Verkaufsregal und ist eine clevere Lösung, über ein gespanntes Gummiband nach Produktentnahme die nachfolgenden Artikel wieder ins Sichtfeld des Konsumenten zu rücken. Nach dem Motto: wenn der Käufer seine Marke nicht sieht, greift er zum Mitbewerberprodukt.

Beim Einfahren auf das Betriebsgelände der Gerhard Schubert GmbH Verpackungsmaschinen, Crailsheim, überwältige die Größe des Unternehmens, das auf Maschinen- und Anlagenbau für abpackende Unternehmen ausgelegt ist. In Vorträgen als auch beim Betriebsrundgang wurden Maschinenkonzepte vorgestellt und insbesondere auf den modularen Aufbau hingewiesen, was Flexibilität bei den vielfältigsten Anwendern erlaubt – ob im Arzneimittel , Süßwaren- oder Lebensmittelbereich. Besonders beeindruckt waren die Gäste von Valentin Köhler, ebenfalls Absolvent der HTWK Leipzig, der im Unternehmen eigenständig die Abteilung Verpackungsentwicklung aufgebaut hat, ihr vorsteht und täglich mit den unterschiedlichsten Fragestellungen der Kunden konfrontiert wird.

Wir danken an dieser Stelle allen Unternehmen für die freundliche Aufnahme, die Zeit für informative Rundgänge und Vorträge sowie die Bewirtung und Prof. Eugen Herzau für sein Engagement bei der Organisation der Exkursion.

 

Text und Foto: Inés Heinze