Schokolade macht glücklich

23.-27.09.2019

Studenten der Verpackungstechnik auf Exkursion  

Bei exkursionsatypischem, nämlich Regenwetter rollte am Montagmorgen der Bus mit 34 Studenten, die ihre Sommerpause bereits drei Wochen vor Vorlesungsbeginn beendet hatten, dem ersten Exkursionsziel entgegen.
Ferrero, Stadtallendorf bei Marburg, bot einen Start für alle Sinne. Schon beim Betreten des Gebäudes schwebt Schokoladenduft in die Nase. „Schokolade macht nicht dick. Schokolade hält jung und macht glücklich“, lautete auch die Begrüßungsbotschaft für diesen „glücklichen“ Auftakt. Ein Film vermittelte zunächst Einblick in die Firmengeschichte von Ferrero, die ihren Ursprung in Italien hat. Beim anschließenden Firmenrundgang beeindruckte, wie Roboterarme in rasender Geschwindigkeit Pralinen in thermogeformten Nestern absetzen, die Nutellagläser klappend durch die Abfüllanlage ihren Weg finden oder nichtrechteckige Packmittel ausgerichtet und positionsgenau in Trays übergeben werden. Bei den Kostproben an den einzelnen Anlagen breitet sich der Geschmack der Süßigkeiten schnell im Mund aus – so frisch gibt es Kinderschokolade, Küsschen, Mon Cherie und anderen Leckereien nur hier am Band.
Eine Absolventin der Beuth-Hochschule Berlin stellte Projekte vor, die den angehenden Verpackungsentwicklern in ihrer Berufslaufbahn durchaus wieder begegnen können. Als Beispiel sei genannt die Umstellung eines Packmittels, hier für die Hanuta-Waffel, von Aluminium-Einwickler mit Etikett auf Kunststoff-Schlauchbeutel, was für Aromadichtigkeit und höhere Produktionsgeschwindigkeit sorgt.
Für Praktikanten und Bacheloranden steht die Tür bei Ferrero offen.

Der zweite Exkursionstag war dem Glas gewidmet, einem Werkstoff, der stärker denn je nachgefragt wird. Schwer und zerbrechlich, bietet er aber zu 100 % Schutz und Geschmacksneutralität für Lebensmittel, unterbindet jegliche Wechselwirkung des Gutes mit anderen Stoffen, besteht ausschließlich aus Naturbestandteilen und ist voll recyclingfähig. Bis zu 90 % Altglas können in die Glasproduktion eingehen, was der Recycling-Glasmarkt gegenwärtig aufgrund großer Nachfrage jedoch nicht bedienen kann.
In der Glashütte Verallia, Wirgis, herrscht ohrenbetäubender Lärm an den Formmaschinen und vulkanartige Hitze neben den Feedern, dem Glaszufluss. Als zuckende Leuchtpunkte fließt das glühende Glas in die Formen. Eine wahre „Höllenmaschine“. Mehr als 500 Flaschen entstehen je Minute auf einer Maschine. Orangeglühend und dampfend treten die Flaschenrohlinge ihren Weg zur Abkühlstrecke und zur Oberflächenveredelung bis hin zur automatischen Palettierung an. Standardweinflaschen und kantige Jägermeisterflaschen laufen gerade auf den Linien.
Angenehm temperiert hingegen ist es in der Zentrale, dem Herzstück der Anlage, wo beide Schmelzöfen messtechnisch überwacht werden. Eine Kamera erlaubt den Blick in das Ofeninnere auf die glühende Glasschmelze.

Eine Viertelmillion Flaschen verlassen täglich die Glashütte. Ein Teil davon nimmt einen kurzen Weg zur Firma Deco Glas, Montabaur. Diesem Weg folgt ebenso unser Bus für die Nachmittagsbesichtigung.
Die schlichten Glasbehälter werden bei Deco Glas veredelt, fast möchte man sagen verzaubert. Beschichtungs‑, Druck- und Etikettierverfahren bringen mehr als die notwendige Information zum Inhalt auf die Glasoberfläche. Metallischer Glanz, semitransparenter Frost-Look, mehrfarbiger Siebdruck, haptische Strukturen, Splitteroptik – edle Getränke erhalten ein edles Erscheinungsbild.
Automatisch werden die Flaschen depalettiert, der Coating-Anlage zugeführt, auf 240 °C vorgewärmt und mittels Düsen mit Pulver bestrahlt, das bei über 200 °C auf der Glasoberfläche fixiert wird und härtet. Kerngeschäft von Deco Glas sind Getränkeflaschen für Wein, Sekt und hochwertige Spirituosen, Glasbehälter für Lebensmittel (Senf, Marmelade, Honig) und Pharma sowie Industrieglas. Allein Rotkäppchen nimmt jährlich über 200 Mio. Flaschen entgegen.
Für neue Projekte werden gemeinsam mit dem Kunden Ideen diskutiert und, sofern sie technisch nicht umsetzbar sind, optimiert. Fotorealistische Darstellungen und Farbverläufe beispielsweise sind im Siebdruck nicht abbildbar und erfordern Designänderungen. Es folgen Schritte von Mustererstellung bis zur technischen Umsetzung einschließlich Logistik. In die Gestaltung geht unter anderem auch der Aspekt Abfüllung auf Hochleistungsanlagen ein, bei der eine Dekoration keinen Schaden nehmen darf, zum Beispiel durch Abscheuern der Farbe.
Bei der Verpackungsentwicklung gewinnt neben industrieller Umsetzbarkeit eines Entwurfs zunehmend die Nachhaltigkeit einer Verpackung an Bedeutung. Recyclingfähigkeit und CO2-Fußabdruck seien hier als zwei Aspekte aufgeführt. Bewusst ist den Glasmachern und Glasveredlern dabei durchaus, dass der Energieaufwand bei der Glasproduktion erheblich und zum Beispiel eine sinnvolle Nutzung der Restwärme anzustreben ist. Nachhaltigkeit hat viele Facette, die es als Gesamtpaket zu betrachten gilt.
Auf jeden Fall wird der Griff nach einer Flasche, ob Bier, Wein oder Smoothy, beim nächsten Einkauf ein anderer sein.

Nach 30 Jahren Tätigkeit bei Klöckner Pentaplast, Montabaur, nun im Ruhestand, ließ es sich Prof. Christian Kohlert nicht nehmen, die Leipziger Studenten persönlich zu begrüßen und in die Welt des Kunststoffs einzuführen. In seinem Vortrag stecken ein Leben für die Folie, enorme Kenntnisse über Kunststoffe, ihre Chemie und Eigenschaften. Die Zeit ist viel zu kurz, um hier wirklich in die Tiefe zu dringen.
Auf dem Rundgang folgten wir über zwei Etagen dem Weg der Rohstoffe von Dosierung und Mischung bis zur Wickelung und Konfektionierung. Kalandrieren, Extrudieren, Stretchen, Beschichten, Kaschieren, Schneiden, Wickeln – sämtliche Herstellungsschritte für das Halbprodukt Folie werden bei Klöckner Pentaplast umgesetzt.

Acht Stunden, 10 Messehallen, knapp 1.600 Aussteller – ein wenig fußlahm, doch voller Eindrücke, Kenntnisse, Anregungen und einem Beutel voller Muster und Prospekte endete der Messetag auf der Fachpack, Nürnberg. Für die Studenten des angehenden 3. Fachsemesters ist die Fachpack überwältigend ob des breiten Ausstellungsspektrums und der Vielzahl beteiligter Unternehmen. Dabei ist diese Fachmesse die „kleine“ gegenüber der im nächsten Jahr stattfindenden Interpack. Für das 5. Fachsemester bot die Messe eine gute Gelegenheit, sich für die Praxisphase zu orientieren und Kontakte zu knüpfen. Im Fokus der Messe wie auch im allgemeinen gesellschaftlichen Leben stand die Nachhaltigkeit von Packstoff und Verpackung, was in interessanten wie auch zu hinterfragenden Lösungen gezeigt wurde.

Es scheint, als schließe sich mit dem letzten Exkursionsziel ein Kreis, denn bei Gerhard Schubert Verpackungsmaschinen, Crailsheim, werden genau jene Packstrecken gebaut, die bei Ferrero im Einsatz zu sehen waren.
„Ich bin einer von Euch“, begrüßt Valentin Köhler die Studenten. „Der Prof und ich kennen uns seit 2005“, als Köhler im Herbst in den Diplomstudiengang Druck- und Verpackungstechnik an der HTWK Leipzig immatrikuliert wurde. Der heutige Verpackungsentwickler stellte sein Tagesgeschäft vor – Verpackungsentwicklung für die Kunden, deren Verpackungen bezüglich Schutz und Handhabung, Attraktivität und Nachhaltigkeit auch noch optimal auf den Hochleistungsmaschinen verarbeitbar sein sollen. Köhler berichtet von Freud und Leid seiner Tätigkeit, denn nicht immer lässt sich ein Kunde von einer neuen Lösung überzeugen. Pro Jahr sei er in rund 150 Projekte involviert. Das bedeutet eine Vielzahl sehr unterschiedlicher und doch gleichzeitig zu überblickender Projekte und Aufgaben von reiner Angebotserstellung über die Musterfertigung, meist in mehreren Etappen, bis zur Optimierung von Material und Konstruktion für Lauffähigkeit auf den Anlagen.

Das Interesse der Firmen an den Besuchern, ihren zukünftigen Fachkollegen, und das Interesse der Studenten, Wissen aufzuschnappen und Vorlesungstheorie praktisch umgesetzt zu sehen, hat auch diese Exkursionswoche wieder zu einem vollen Erfolg gemacht. Dank allen Beteiligten, die das ermöglicht haben.

Text: Inés Heinze