25 Jahre Studiengang Verpackungstechnik

17.10.2017

Ein Studiengang, der 1992 mit zwei Studenten begann und seither 300 Absolventen hervorgebracht hat, wird 25. Aus den anfangs kleinen Studentenzahlen wurde ein stark nachgefragter Studiengang. Fortgesetzt haben sich dennoch die Individualität der Ausbildung, ein Zusammenhalt der Matrikel und die enge Bindung der Studenten zu ihrem Studiendekan, die weit über das Studium hinaus reicht. Das wird deutlich an der großen Zahl der Gäste, die Prof. Eugen Herzau, Studiendekan von Anfang an, begrüßt, sichtlich bewegt über die Vielzahl seiner ehemaligen Studenten, die der Einladung gefolgt sind und zum Teil auch überraschend angereist waren.
Freitag, der 13. – was für ein wunderbarer Tag! Geht etwas schief, könne man es getrost auf das Datum schieben – doch was soll schiefgehen. Herzau begrüßte einige Gäste namentlich, Ehrengäste, die trotz hohen Alters den Weg nicht scheuten, ihre Verbundenheit zum Leipziger Studiengang zum Ausdruck zu bringen. Dazu zählen unter anderem Prof. Jochen Paris und Prof. Dr. Dr. Günter Grundke, die einst der Gründungskommission des Studiengangs angehörten und, ebenso wie Dr. Günter Bleisch, über lange Jahre als Dozenten die Lehre unterstützten.

Prof. Markus Krabbes, Prorektor Forschung an der HTWK Leipzig, übernahm einleitende Worte. Er sei beeindruckt von dem großen Interesse am Ideenaustausch, Wissenserwerb und Networking und dankte Prof. Herzau für sein Engagement, die Branche erneut hier in Leipzig zu vereinen.

Dr. Volker Lange vom Fraunhofer-Institut für Materialfluss und Logistik, der Logistikexperte Deutschlands, startete die Vortragsrunde mit einem visionären Blick in die Zukunft der Verpackung unter logistischem Aspekt. Verpackungen in die gesamte Supply Chain zu integrieren, sei die Herausforderung der Zukunft.
Was muss die Verpackung dabei leisten? Die Vision bestehe in der vollkommenen Autonomie und Selbststeuerung der Verpackung bzw. Ladeeinheit in der gesamten Lieferkette, angefangen mit ihrer Identifikation, der Zustandserkennung und Lokalisierung der Ware auf dem Transportweg bis hin zur Kommunikation von Ladeeinheiten untereinander und mit TUL-Technik. Aus Ladungsträgern werden in Zukunft Informationsträger, die Verpackung wird zum intelligenten System und die physische Welt mit der digitalen vernetzt.

Was heißt es, Verpackungsentwickler, speziell von Kosmetikprodukten, zu sein? Sebastian Kraus, Absolvent des Diplomstudiengangs, gibt einen Einblick in seine Tätigkeit bei Kao Germany GmbH. Die Tätigkeit des Verpackungsentwicklers befinde sich im Spannungsdreieck Konsument – Produktion – Produkt, im Beispiel eines Haarfärbemittels ist damit insbesondere die Formulierung gemeint.
„Wenn die Verpackung gut funktioniert, wird das Produkt wieder gekauft.“ Aber der Weg von der Idee bis hin zu einer realen und gut funktionierenden Verpackung ist lang. Die Projekte beinhalten zunächst ein Grobkonzept, bestehend aus der Idee seitens des Marketings und technischen Randbedingungen. 3D-Software fügt technische Details hinzu, im 3D-Drucker entstehen erste Designmuster sowie Werkzeuge für Funktionsmuster, die Praxistests, zum Beispiel in Friseurgeschäften, und Labortests unterzogen werden. Über 200 verschiedene Testmethoden werden genutzt. Sämtliche Daten der neuen Verpackung werden digital dokumentiert. Erst nach Absolvieren dieser Schritte starten Werkzeugbau und Konzipierung der Produktionslinie. Es ist gut nachvollziehbar, dass solcherart Projektarbeit Monate, mitunter auch Jahre dauert.
Seit Jahren arbeitet das Unternehmen mit verschiedenen Hochschulen zusammen. Es sei beeindruckend, was in einem halben Jahr, übliche Dauer der studentischen Projektarbeiten, für erfrischende Ideen entwickelt werden. Kombiniert mit hauseigenem Know How liege so ein enormes Entwicklungspotenzial vor.

Dipl.-Biol. Helmut Schmitz, Duales System Holding GmbH & Co. KG, näherte sich der Verpackung vom anderen Ende des Stoffkreislaufs. Er konzentrierte sich dabei auf Kunststoffverpackungen. Kunststoff, vor 60 Jahren entstanden, ist inzwischen zum Massenphänomen mit vielfältigsten Anwendungen geworden. Verpackungen sind mit 35 % der größte Abnehmer von Kunststoff, beim Abfall machen sie gar 60 % aus, so die Statistik in Deutschland. Kunststoffpackmittel werden nur kurze Zeit gebraucht, verglichen mit einer Lebensdauer von 500…600 Jahren, ehe es zur natürlichen Zersetzung kommt. Das Foto eines Strandes in Indonesien macht erschreckend deutlich, wie es weltweit um Kunststoffabfälle bestellt ist, denn funktionierende Entsorgungs- und Aufbereitungssysteme sind in weiten Teilen der Welt nicht vorhanden.
Mit der Forderung, die Recyclingrate zu steigern, tritt in Deutschland ab 2019 ein neues Verpackungsgesetz in Kraft. Die wertstoffliche Verwertung von Kunststoffen zu steigern, erfordert aber vielfältige Maßnahmen, bezogen auf technische Anlagen beim Sortierer und Recycler sowie auf Vertiefung der Kommunikation über die gesamte Wertstoffkette hinweg.

Der Nachhaltigkeitsgedanke stand auch im Mittelpunkt des Vortrags von Dipl.-Ing. Immo Sander, Werner & Mertz GmbH, bekannt durch die Produkte Grüner Frosch. Das Motto Make – Taste – Waste führe in eine Einbahnstraße und komme nicht der Forderung nach, in Kreisläufen zu denken. Frosch-Produkte zeichneten sich von Anfang an durch recyclingfreundliche Zusammensetzung aus. Inzwischen ist dieser Gedanke auch auf Packstoffe und Farbe übertragen worden. Für die Herstellung von transparenten Frosch-Flaschen aus 100 % Rezyklaten (bislang üblicher Anteil lag bei 20 %) erhielt das Unternehmen im vorigen Jahr den Deutschen Verpackungspreis.
Derzeit arbeite man daran, halogenorganische Verbindungen und Schwermetalle aus den Farbpigmenten für die Schraubverschlüsse zu entfernen, sowie an der Entwicklung nachhaltiger Druckfarbe für die Etiketten. Einen weiteren Forschungsbereich sieht der Referent in der Entwicklung von Lösungen für Haftetiketten-Klebstoffe und Monofolien für Nachfüllpacks.

Moderiert von Prof. Herzau, schloss sich nach der Kaffeepause eine Podiumsdiskussion mit sechs Absolventen unterschiedlicher Jahrgänge an. Vor dem Studium Schlosserlehre oder Buchhändlertätigkeit; Nestlé, Tetrapack, Beiersdorf; Pralinen, Tabletten, Tiergesundheitsprodukte; Folienherstellung, Wellpappe, Glasveredelung. „Es ist gut, immer mal zu wechseln,“ meint Immo Sander. Das bestätigen die sechs sehr unterschiedlichen Lebenswege durch die verschiedensten Branchen.
Revolutionäre Veränderungen in der Branche klangen in dem einen oder anderen Vortragsthema bereits an. Digitalisierung und Individualisierung, neue Welten mit Hilfe von 3D-Brillen, mit denen Kunden durch virtuelle Discounter geführt werden, gehören dazu. Was macht die Branche noch aus? Langjährige Forschungsarbeit, spannende Projekte. Der Wettlauf zwischen Verpackungsentwicklung und Freigaben, wenn es bei Packstoffen und Farben zum Beispiel um Lebensmittelrecht geht. Strukturänderungen in den Unternehmen. Manchmal steht auch die Frage, ob der Aufwand für die Verpackung gerechtfertigt ist, wenn beispielsweise auf einem Etikett bis zu 12 Farben verdruckt werden.

Und hilft einem das Studium durch den Berufsalltag? Unbedingt! Immer wieder wurde auf die Breite der Ausbildung verwiesen, die ein hervorragendes Fundament bildet, auf das man bauen kann. Genau dieses Breitenwissen sei in kleineren Unternehmen unabdingbar, wo Tiefenspezialisten nicht vorhanden sind. Die Kenntnis über die vielfältigen Packstoffe und Materialien helfe auch sehr, wenn es um Reklamationsfälle geht und übergreifendes Denken erforderlich ist.
Manchmal kommt der Aha-Effekt, der in der Vorlesung auf sich warten lässt, erst im Job, und eine trockene Vorlesung erweist sich im Nachhinein als äußerst wertvoll. Und Herzaus „Methode des längeren Hinsehens“ ist in jedem Fall ein hilfreicher Tipp.

Welchen Rat die Absolventen den jungen Studenten geben können? Da gibt es einige. Nutzt die Zeit und seht Euch so viel wie möglich an, stellt Euch generalistisch auf – das Spezifische kommt im Job. Macht ein Auslandssemester und festigt Euer Englisch. Fragt Euch, was Euch glücklich macht, habt Bock auf den Job und findet die für Euch richtige Firma – das ist nicht die erste nach dem Bachelor; habt Mut, Euch neu auszurichten. Pflegt den sachlichen Disput.

Nicht nur der sachliche Disput wurde gepflegt, als die Sektgläser erhoben wurden und der fachliche Teil des Nachmittags in den feierlichen Abend überging. Das Jubiläum war für viele Absolventen eine mehr oder weniger seltene Gelegenheit, die ehemaligen Kommilitonen wieder zu treffen, Erinnerungen aufzufrischen und mit den Dozenten und ehemaligen Mitarbeitern ins Gespräch zu kommen. Diejenigen, die einst am Gutenbergplatz studierten, konnten bei Rundgängen über die Räumlichkeiten am Campus und erweitere Technik staunen. Bis spät in den Abend dauerten die Gespräche an.

Ein herzlicher Dank geht an alle Organisatoren, Sponsoren und Helfer für den gelungenen Tag. 

Text und Foto: Inés Heinze