Personalisierung von Hochsicherheitsdokumenten

01.06.2017

Ein Foto gehört zum Sicherheitsdokument wie das Lenkrad zum Auto.

Mit diesen Worten leitete Dr. Oliver Muth seinen Vortrag zur Dokumentpersonalisierung ein und zeigte nachfolgend, wie hochinteressant Druckprodukte sind und wie spannend deren Herstellung sein kann.

In einem Ausweis, der definitionsgemäß als Identitätsbeleg gilt, ist das sichtbare Passfoto wesentlicher Bestandteil; es erlaubt bei visuellem Vergleich eine einfache Authentifizierung und ist gleichzeitig Schutzmechanismus, der eine Fremdnutzung des Dokumentes verhindert. Doch Personalisierung ist mehr, als das Dokument mit einem Foto zu versehen. Zur Personalisierung zählen auch Angaben zur Person wie Name und Geburtstag, die Unterschrift und Angaben zum Dokument selbst, so zur Ausstellung und Gültigkeit. 

Anforderungen an die Entwicklung von Personalisierungstechnologien und ‑materialien sind u. a. Verfälschungsschutz, Kompatibilität zur Dokumentinfrastruktur und eine Mindesthaltbarkeit des Elementes von fünf, in der Regel jedoch zehn Jahren, was der üblichen Gültigkeitsdauer der Ausweise entspricht. Nicht zuletzt spielt die Ästhetik eine Rolle, denn ein Passfoto soll die Person realistisch und wiedererkennbar darstellen.

Der Referent thematisierte Möglichkeiten der Personalisierung von Ausweiskarten im sichtbaren (analogen) Bereich. Dass digital gespeicherte Personendaten heute wesentlich zum Fälschungsschutz hoheitlicher Ausweise beitragen, sei an dieser Stelle nur erwähnt.

Prinzipiell unterscheidet man die Post- und die Pre-Personalisierung. Bei Post-Personalisierung finden die Produktion des physischen Dokumentes und die Aufbereitung der individuellen Daten unabhängig voneinander und an getrennten Orten statt, verbunden mit der Gefahr von Blancofälschungen. Die bereits mit vielen Sicherheitsmerkmalen versehenen Leerdokumente können gestohlen und von Fälschern personalisiert werden.

In Deutschland üblich ist eine Pre-Personalisierung. Dabei werden individuelle Daten während der Ausweisherstellung integriert. Bei den heute üblichen Ausweiskarten, die aus mehreren Folienschichten aufgebaut sind, können die Personendaten somit auf mehrere Ebenen im Schichtverbund appliziert werden. Zudem erfolgt die Ausweisherstellung mit der Integration der Personendaten an einer zentralen Stelle, und zwar in der Bundesdruckerei in Berlin.

Für die Übertragung der Identifizierungsdaten auf Ausweiskarten existieren verschiedene Technologien mit jeweiligen Vor- und Nachteilen. In aufsteigender Reihenfolge bezüglich der Fälschungssicherheit sind dies:

  • Digitaldruck auf Karte
  • Laser­engraving (Graustufen) in Karte
  • Laser­engraving (farbig) in Karte
  • Foto­personali­sierung in Karte
  • Digitaldruck in Karte
  • Innosec Fusion in Karte

Der Schutz vor Fälschung oder Verfälschung wird von unterschiedlichen Faktoren beeinflusst. Je aufwändiger das Verfahren, je komplexer die Technik, je eingeschränkter die Verfügbarkeit der benötigten Materialien, je enger das Prozessfenster – um nur einige Kriterien zu nennen –, desto sicherer ist das implizierte Merkmal vor einer unberechtigten Nachahmung.

Höchste Sicherheit garantiert bei der Personalisierung von Ausweiskarten das von der Bundesdruckerei selbst entwickelte Verfahren Innosec Fusion. Spezielle, im eigenen Haus entwickelte und selbst produzierte Tinten sind derart auf das Kartenmaterial Polycarbonat abgestimmt, dass im Folienverbund eine Migration des Verdruckstoffs in das Laminatmaterial bis zu fast einem Zehntelmillimeter stattfindet. Entfernen oder Manipulieren der gedruckten Information ist unmöglich. Somit trägt auch Innosec Fusion dazu bei, dass der deutsche Personalausweis zu den sichersten hoheitlichen Dokumenten weltweit zählt und bislang keine einzige vollständige Fälschung gelungen ist.

Dr. Oliver Muth arbeitet als Chemiker seit 17 Jahren in der Bundesdruckerei im Bereich Forschung und Entwicklung von Materialien für Ausweise, Briefmarken, Banknoten und andere Dokumente. Er ist involviert in die Betreuung mehrerer Abschlussarbeiten im Masterstudiengang Druck- und Verpackungstechnik, in dem Absolventen auch für den Sicherheitsdruck die notwendigen Voraussetzungen erhalten.

 

Text und Foto: Inés Heinze