innoPRINT Leipzig 2018

10.11.2018

Rund 120 Besucher, die den großen Hörsaal im Nieper-Bau der HTWK Leipzig füllten, haben bewiesen, dass die innoPRINT-Auftaktveranstaltung im vergangenen Jahr ein Erfolg war, an den in diesem Jahr angeknüpft wird. Wer an einem sonnigen November-Sonnabend den Weg nach Leipzig sucht, will über den Tellerrand blicken, mit Fachkollegen ins Gespräch kommen oder sich neben den regulären Vorlesungen breit informieren.

Der Fokus der Veranstaltung lag auf der Fachkräftesituation in der Branche und der Generation, die unsere zukünftigen Fachkräfte stellen wird. Diese Altersgruppe – die Generation Z – stellte Frank Müller, Haus E in Chemnitz, in den Mittelpunkt seiner Ausführungen. Nach 1991 geboren, stehen diese jungen Leute heute auf der Schwelle zum Berufsleben oder haben sie gerade überschritten. Sie haben ihre Werte und Lebensvorstellungen, die sich von denen der älteren Kollegen und Mitmenschen unterscheiden.

Von den Eltern umhegt, haben sich ein stärkerer Individualismus und eine Fokussierung auf Familie und Freundeskreis ausgeprägt. Die Abgrenzung von Arbeit und Privatleben wird deutlich gezogen. Im steten gesellschaftlichen Wandel, zwischen Inflation und Deflation reicht der Karriereblick nicht auf Jahrzehnte hinaus. „Was weiß ich, was morgen ist.“ Als Digital Natives liegen den jungen Leuten alle Informationen zu Füßen, doch macht gerade diese Informationsüberflutung die Generation zu der am schlechtesten informierten. Soziale Netzwerke provozieren die Erwartungshaltung nach schnellem positivem Feedback, nicht nur im privaten Umfeld. Gegenüber der Elterngeneration können die jungen Menschen eine Trumpf ausspielen, den Trumpf der Demografie, sich einen Beruf, eine Karriere auszusuchen in einem Land, dem die Fachkräfte ausgehen. Für Unternehmen gilt es, diese Charakteristik der jungen Generation zu kennen und sich in der Unternehmenskultur darauf einzustellen.

Auch für die Hochschule heißt es, die veränderten Bewerber zu berücksichtigen, ihren Vorstellungen von einem Ingenieursstudium gerecht zu werden und dabei gleichzeitig die Erwartungen der Industrie zu erfüllen, in die Absolventen entlassen werden. Seit einigen Jahren verzeichnet der Studiengang Drucktechnik geringe Bewerberzahlen und steigende Abbrecherquoten. Diese Ausgangssituation sowie Veränderungen in der Druckbranche haben zu einer Reformierung sowohl des Studiengangs Drucktechnik als auch Verpackungstechnik geführt, die Prof. Holger Zellmer vorstellt. Auf den ersten Blick sichtbar werden die Veränderungen bereits in einer Modernisierung der Studiengangsbezeichnungen Digitale Print-Technologien sowie Verpackungstechnologie und Nachhaltigkeit.
Selbstverständlich sind auch Curriculum und Modulinhalte sowie Lehr- und Lernformen modernisiert worden. Als ein Beispiel sei hier das Einführungsmodul genannt, in dem die Studenten bereits in den ersten Studienmonaten in Miniprojekten theoretisch als auch praktisch an ausgewählte Produkte herangeführt werden. Dabei lernen sie die Labore kennen, erhalten erste Einblicke in Technologie und Technik und halten am Ende des Semesters ein Produkt in der Hand, dessen Herstellung sie begleitet haben. Involviert sind ebenfalls Recherchetechniken, Grundregeln des wissenschaftlichen Arbeitens und Präsentierens, eine Basis für nachfolgende Semester.

Enrico Hahn, Absolvent der Drucktechnik, begrüßt, dass sich der Studiengang „aus seinem angestaubten Image erhoben habe“. Der Name klingt populärer. Insgesamt ein guter Ansatz, dem man nun aber Zeit geben sollte zu wirken.

„Fachkraft gesucht“ lautete das Motto der nachfolgenden Podiumsdiskussion, moderiert von Prof. Lutz Engisch. Seit über drei Jahren beschäftigen sich die Kollegen an der Fakultät Medien mit dem Thema der Nachwuchssicherung in der akademischen Ausbildung und mit der Generation Z.
Christian Heinrich, Salzland Druck, bestätigt aus Erfahrung in seinem Unternehmen den Wandel der Bewerbersituation. Während vor 7…8 Jahren aufgrund der Vielzahl von Bewerbungen eine Auswahlmöglichkeit bestand, müssen heute Anstrengungen unternommen werden, um überhaupt Bewerber, Facharbeiter wie Akademiker, ins Unternehmen zu locken. Die Work-Life-Balance hat dabei einen hohen Stellenwert, was nicht in jeder Region einfach umzusetzen sei.
Uwe König repräsentiert die Bundespolizei auf der Podiumsdiskussion. Mit über 40.000 Bewerbern hat die Polizei keine Nachwuchssorgen. Allerdings gibt es keine spezielle Ausbildung im Bereich Drucktechnik, aber gerade da werden Fachkräfte gesucht, die sich als Kriminaltechniker auf Urkundenfälschungen spezialisieren.
Heinrich macht den Vorschlag, an Tagen der Offenen Tür Unternehmen mit ins Boot zu holen und das Praktische zu verstärken. Als Student schon frühzeitig ein Produkt selbst zu fertigen und in der Hand zu halten, wie es die Änderung im Curriculum vorsieht, bewertet er sehr positiv. Ulrike Käppeler, Masterstudentin der Druck- und Verpackungstechnik, begleitet Studien-Neulinge in den Vorkursen aktiv und hat die Erfahrung gemacht, dass Digitalisierung nicht alles ist und mit Mustern verschiedener Druckprodukte so mancher Aha-Effekt entstehen kann. Sie sieht sich als „Alt-Z-lerin“ und hat sich in den Ausführungen von Frank Müller durchaus wiedergefunden, wenn auch nicht in allen Punkten.
Weiterer Diskussionspunkt war die Attraktivitätssteigerung des Studiums für ausländische Interessierte. Dies bedeute aber die Umstellung auf englischsprachige Ausbildung; für viele Ausländer ist das Erlernen der deutschen Sprache keine Alternative. Aber dann verlieren wir die Hälfte der deutschen Studenten, so Zellmer. Zudem wird voraussichtlich ein großer Teil der Absolventen in ihre Heimatländer zurückgehen und den Fachkräftemangel in der deutschen Druckindustrie nicht verbessern.
Bei der Bewerbung des Studiengangs führe auch kaum ein Weg an den Eltern vorbei, wie Erfahrungen von Berufs- und Studienberatungsveranstaltungen zeigen. Ulrike Käppeler kann dies zwar nicht aus eigener Erfahrung bestätigen, weiß aber von den Hochschul-Infotagen, dass die Eltern die Fragesteller sind. Ihnen heißt es klar zu machen, dass ihr Sprössling in unseren Studiengängen gut aufgehoben ist und eine sichere Berufsaussicht wartet.

Holger Fröbels Vortrag setzte sich mit der digitalen Transformation auseinander. Fluch oder Segen, so seine Fragestellung. Die Digitalisierung verändert alles, sie schreitet exponentiell voran. Das Internet gilt heute als normale Versorgungsleitung wie Strom und Wasser. Per Smartphone sind wir jederzeit mit jedem Ort der Welt verbunden. Wir wollen alles jetzt und sofort. Just in time erhalten wir jede denkbare Information. Heute bereits nehmen Roboter den Menschen Arbeit ab. Mit Künstlicher Intelligenz ausgestattet, könnten sie eines Tages über die Menschheit bestimmen – auf lange Sicht wird der Optimist Fröbel hier pessimistisch.
Für die Agilität im Unternehmen ist digitale Transformation existentiell. Was im privaten Umfeld Gewohnheit ist, muss im Unternehmen ebenfalls zur Alltäglichkeit werden. Prozesse sind auf Kundennutzen hin prüfen und zu optimieren. Reine technische Veränderungen ohne Blick auf Kundenvorteile sind nicht vorwärtsweisend. Workflowlösungen bilden nicht nur technische Prozesse, sondern auch Business-Prozesse ab.
Mit zunehmender Automatisierung werden deutlich weniger Personen in der Produktion tätig sein. Eine personelle Verlagerung auf IT-Bereich oder Social Marketing ist zu erwarten. Hier heißt es, Potentiale bei den eigenen Mitarbeitern zu erkennen und weiterzuentwickeln. Für die Rekrutierung neuer Mitarbeiter gilt es, das Unternehmen attraktiv zu gestalten und den Anforderungen gerade der jungen Generation gerecht zu werden – Weiterentwicklungschancen, Flexibilität und Work-Life-Balance zu bieten.
Realität ist, dass sich gegenwärtig noch viel zu wenige Unternehmen mit dem Thema Digitalisierung auseinandersetzen. Als Digitalisierung wird der Kauf einer Digitaldruckmaschine angesehen, dabei ist die Wertschöpfung in der Software zur Verknüpfung sämtlicher Prozesse zu sehen. Das ist als strategische Aufgabe anzusehen, die Chefsache ist und nicht allein der IT-Abteilung überlassen werden darf.

Erfreulich, dass im abschließenden Programmpunkt drei junge Bachelor-Absolventinnen die Ergebnisse ihrer Arbeiten vorstellten.

„Das Auge kauft mit“. Marie Olschowsky und Nadine Wittenberg untersuchten mittels Eye-Tracking die Wahrnehmung visueller Elemente auf Verpackungen, konkret am Beispiel von Prägungen und Warnbildern auf Zigarettenschachteln.

Ulrike Käppeler analysierte in ihrer Bachelorarbeit mit Hilfe der ATR-IR-Spektroskopie Komponenten der Druckfarbe, deren prozentuale Anteile sowie deren Eindringen in den Bedruckstoff.

Lars-Hendrik Dircksen ist Teammitglied der studentischen Unternehmensberatung CampusInform, die Leipziger Unternehmen und soziale Vereine unterstützt und Studenten eine Plattform für Weiterbildung und Projektarbeit bietet. Auch die Fakultät Medien hat bereits von der Tätigkeit der jungen Unternehmensberater profitiert; Dircksen stellt die Vorgehensweise bei den Projektarbeiten am Beispiel „Steigerung der Bewerberzahlen für den Studiengang Drucktechnik“ vor.

 

Nicht zu vergessen, den herzlichen Dank an alle Sponsoren:
FDI e. V., Förderverein der HTWK Leipzig, Salzland Druck, vdm Mitteldeutschland

Wir freuen uns, Sie auch im nächsten Jahr zu innoPRINT Leipzig 2019 zu begrüßen:
am 09.11.2019.