iP³ Kolloquium Leipzig
Das iP³-Kolloquium etabliert sich als regelmäßige Veranstaltung, auf der Studenten und Mitarbeiter über aktuelle Forschungsthemen berichten oder Gäste aus der Industrie innovative Themen ihrer
Praxistätigkeit vorstellen. Bei Präsenzveranstaltungen bietet nach Vortrag und Diskussion ein
geselliger Ausklang Gelegenheit zum Austausch.
Alle an der Fakultät Beschäftigte und Studierende sind herzlich eingeladen. Außerdem begrüßen wir gern Mitglieder des Fachverbandes der Druckindustrie und Informationsverarbeitung (FDI) e. V. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich.
Informieren Sie sich bitte, ob die Veranstaltung in Präsenz, online oder hybrid stattfindet.
Ort der Präsenz-Veranstaltung:
Gutenberg-Bau, Hörsaal GU 116
Gustav-Freytag-Straße 42, 04277 Leipzig
Termine
Die nächsten Termine und
weitere Informationen finden Sie im Opalkurs.
Digitaldruck und Inline-Veredlung mit Wow-Effekten – iP³ Koloquium 2019
04.07.2019
Referent: Roland Fauteck, Xerox GmbH, Neuss
Text: Inés Heinze
Der Blick auf den Tisch mit edlen Druckmustern macht neugierig auf einen Vortrag, in dem es um „Wow-Effekte“ in der Printproduktion geht. Der Druck werde immer mehr zur Massenware, beginnt Roland Fauteck, Xerox GmbH, Neuss, seinen Vortrag. Laut Marktanalysen werden dem tonerbasierten Digitaldruck jährlich 25 Mrd. A4-Seiten prognostiziert. Da heißt es, Mehrwert zu generieren und sich abzusetzen. Die Xerox® Iridesse Production Press, seit etwa einem Jahr auf dem Markt, bietet neben hervorragender Druckqualität hierfür verschiedene Möglichkeiten.
Darüber berichtet in einem Einstiegsvideo, hinterlegt mit lustiger Musik, auch ein beeindruckter Digitaldrucker aus Great Britain, der begeistert von den „fantastic functions“ seiner Iridesse schwärmt. Einfach „amazing“.
Seit etwa einem Jahr ist die Maschine auf dem Markt. In den ersten sechs Monaten wurden in Deutschland bereits 26 Systeme installiert. Vor allem Online-Druckportale und Fotobuchhersteller zeigen Interesse, aber auch für Copyshops sei die Maschine mit ihren Möglichkeiten ein Erweiterungspotential für das Produktportfolio.
Der Schlüssel für eine hohe Druckqualität – ein erstes edles Merkmal – wird im Toner gesehen. Die Tonerrezepturen wurden deshalb von allen Herstellern verbessert. Mit 4,7 µm Partikelgröße liegt ein sehr feiner Toner vor, der eine Auflösung von 2.400 dpi erlaubt. Dieser neue Toner bietet einen nochmals größeren Farbraum beim üblichen Vierfarbdruck. Pantone-Sonderfarben können gut simuliert und als reine, naturgetreue Farben übertragen werden.
Durch zwei zusätzliche Farbwerke – eines vor und eines nach den CMYK-Tonerwerken – können verschiedene Veredelungseffekte erzielt werden, visuelle als auch haptische. Mit diesem Underlay-Overlay-Konzept lassen sich Weiß, Clear (Transparenttoner) und Metallic Silber und Gold unterschiedlich kombinieren. Veredelung ist in einem Druckgang bei hoher Präzision der Farbübertragung möglich.
Welche Effekte können konkret erzielt werden? Hier einige Beispiele, die auch als Muster anschließend in Augenschein genommen werden konnten:
- Im ersten Farbwerk wird mit Metallic Silber bzw. Gold unterdruckt. Anschließender Vierfarbdruck und Clear-Überdruckung liefern irisierende Metalliceffekte unterschiedlichster Farbtöne.
- Auch farbige und schwarze Bedruckstoffe lassen sich mit changierenden Tönen überziehen und weißen Motiven versehen. Wird in die erste und sechste Station weißer Toner eingesetzt (Doppelweiß), erhöht sich die Deckung für strahlende Abbildungen.
- Haptische Effekte spielen eine zunehmende Rolle in unserer digitalen Welt. Durch mehrfachen Auftrag des Clear-Toners lassen sich fühlbare Strukturen darstellen. Der Aufwand ist allerdings nicht zu unterschätzen; die vorgelegten Beispiele wurden sieben mal durch die Maschine geführt – dazu wurde der Stapel siebenmal manuell zwischen Auslage und Anleger gewechselt. Die erzielte Gesamtschichtdicke liegt bei rund 30 µm.
- So wie generell individualisierte Erzeugnisse digital gedruckt werden, kann damit nun auch eine individuelle Veredelung einhergehen. Es lassen sich Einladungen, Kalender oder Verpackungen personalisieren, beispielsweise, um dem Käufer eines Fahrzeugs seine Schlüssel in individueller Faltschachtel zu überreichen.
- Aufgrund einer hohen Druckauflösung sind kleinste Schriftgrade druckbar. Mittels Software können Texte generiert werden, die für Dokumente Fälschungs- und Kopierschutz bieten. Der Druck ist auch mit Metallic-Toner möglich. Ein Beispiel, leider nicht als Muster zur Anschauung verfügbar gewesen, ist ein A3-Bogen, der mit 200.000 Zeichen bedeckt sein soll. Im Vergleich: dieser Artikel besteht aus 5.710 Zeichen, inklusive Leerzeichen, die bei einer 11-Punkt-Schrift ungefähr 1,5 A4-Seiten bedecken.
Veredelung kommt nur dann richtig zur Geltung, wenn höchsten Qualitätsansprüchen genügt wird. Auch dafür sieht die Iridesse Maßnahmen vor. So verfügt sie über verschiedene Mess- und Regelmöglichkeiten, zum Beispiel eine automatische Dichtekorrektur zwischen Bogenvorder- und Bogenhinterkante sowie seitlich, außerdem existiert eine automatische Registersteuerung für Schön- und Widerdruck.
Zur automatisierten Qualitätsverbesserung werden softwareunterstützte Vorstufenmaßnahmen genutzt. Diese dienen unter anderem zur Optimierung der Motivschärfe, Kantenglättung bei Buchstaben (Anti-Aliasing-Effekt) und Verhinderung eines Zulaufens von Negativschriften.
Ein Blick in die Zukunft verspricht weitere Anwendungen im Bereich Funktionsdruck, Smarte Verpackung und Tonerentwicklung für Sicherheitsanwendungen. Die Zuhörer dürfen gespannt sein auf die Drupa 2020.
Xerox – made to think. Ja, es war eine Fülle von Informationen, über die es sich unbedingt nachzudenken lohnt. Auch Fragen ergeben sich schnell, so nach der Temperaturstabilität der Tonerschicht, wenn nachfolgende Verarbeitungsschritte mit erwärmten Werkzeugen vorgenommen werden. Bis 160 °C sei das kein Problem für das Druckbild.
Der Digitaldruck hat ein schlechtes Recyclingimage; wie sieht es bei den Iridesse-Drucken aus? Xerox ist hier ganz gut unterwegs. Der Trockentoner schlägt nicht weg, das ist ein großer Vorteil. Er ist nur mit der Bedruckstoffoberfläche versiegelt und lässt sich – verglichen mit Inkjet-Tinte, die in das Papier wegschlägt – einfach entfernen.
Werden Sonderfarben rezeptiert, zum Beispiel das Coca-Cola-Rot? Nein, Sonderfarben müssen so gut wie möglich aus den Grundfarben CMYK zusammengestellt werden. Es lohnt sich aus betriebswirtschaftlichen Gründen nicht, Sonderfarben zu mischen. Wenn es der Markt allerdings einfordert, werden Sondertoner kommen.
Haptik: Ein Thema das berührt – iP³ Kolloquium 2019
06.06.2019
Referent: Prof. Lutz Engisch
Text: Inés Heinze
Referent Prof. Lutz Engisch nimmt die Zuhörer mit in die Welt der Haptik, die als Querschnittsthema viele fachliche Gebiete an der Fakultät streift und in die Lehre verschiedener Kollegen einfließt.
Nicht was wir sehen, glauben wir; erst was wir berühren, überzeugt. Auf einem seiner berühmtesten Gemälde stellt Michelangelo Merisi da Caravaggio den „ungläubigen Thomas“ dar, der erst durch Berührung der Wunde den greifbaren Beweis erfährt, um an die Auferstehung Jesu zu glauben. Das Bild hängt übrigens in der Bildergalerie im Park des Schlosses Sanssouci in Potsdam.
Der deutsche Begriff „Begreifen“ steht als Synonym für Betasten, Befühlen, Anfassen, aber auch für Verstehen, Erkennen, Lernen. Kinder erkennen und erlernen ihre Umwelt, indem sie Gegenstände anfassen und in den Mund stecken. Dieses Begreifen durch Begreifen ist ein wichtiger Prozess in der Entwicklung des Menschen und prägend für sein ganzes Leben.
Nachweislich ist der Hautsinn, in dem die meisten Tastsinnesorgane enthalten sind, der älteste Sinn in der Evolutionsgeschichte des Menschen. Schon Einzeller nehmen Sinnesreize aus der Umwelt wahr. So ist anhand ihrer Fortbewegung nachgewiesen, dass sich Amöben auf glatten Oberflächen wohler fühlen als auf rauen.
Haptik als eine übergreifende Wissenschaft im medizinischen Bereich verbindet die Tätigkeit von Physiologen, Anatomen, Biologen, Psychologen und Hirnforschern. Erkenntnisse zur Haptik fließen jedoch in nahezu alle Lebensbereiche ein, ob es um die Gestaltung sicherheitsrelevanter Elemente im Flugzeugcockpit, die Materialauswahl beim Smartphone und Tablet oder die Gestaltung von Verpackungen geht. So weiß beispielsweise der Fahrer in seinem PKW ohne hinzuschauen, welchen Gang er eingelegt hat.
Funktionsweise der Haptik
Ein erster Kontakt mit einem Objekt findet über die 5 Milliarden Körperhaare statt, in denen je 50 Rezeptoren enthalten sind. Als zweites entsteht Hautkontakt. Nah unter der Oberfläche der Haut befinden sich verschiedene Tastrezeptoren, die für unterschiedliche Wahrnehmungen verantwortlich sind.
Über die Merkel-Zellen erfolgt eine Form- und Texturwahrnehmung. Je kleiner der zu ertastende Punkt, desto größer ist der Reizwert, der an das Gehirn weitergegeben wird. Blinde Menschen weisen deutlich mehr Merkel-Zellen auf, was ihnen das Lesen der Brailleschrift erlaubt. Da bei Tastaturen auf einem Touch-Screen das haptische Feedback fehlt, versucht man gegenwärtig, über elektromagnetische Felder Signale zu erzeugen, die das gleiche Gefühl suggerieren wie beim Druck auf eine reale Taste. Die Merkel-Scheiben schützen uns außerdem vor Verbrennungen, da Hitzereize über die Schmerzgrenze registriert werden.
Die Meissner-Körperchen reagieren auf Druckveränderung und erlauben eine Griffkraftanpassung. In Kombination mit dem Gehirn und darin gespeicherten Erinnerungswerten sind wir in der Lage, in Größe und Masse stark variierende Gegenstände griffsicher und zerstörungsfrei anzufassen und anzuheben, egal ob Kartoffelsack oder rohes Ei.
Genau hierin besteht eine der wichtigsten und schwierigsten Aufgaben bei der Konstruktion von Roboterhänden: sie müssen schwer und kraftvoll genug sein, Objekte hoher Masse zu heben, und gleichzeitig sensibel, um einen leichten Gegenstand nicht zu zerdrücken.
Pacini-Körperchen reagieren sensibel auf Vibration und lassen uns erkennen, ob das stumm geschaltete Handy einen Anruf registriert oder das Fahrzeug über Kopfsteinpflaster rumpelt.
Ruffini-Körperchen reagieren auf Druck und Dehnung und erlauben uns am frühen Morgen, noch schlaftrunken, die Stellung unserer Gelenke zu registrieren, Bewegung und Körperhaltung zu erkennen und in Kombination mit Druckempfindung einen Stift schreibsicher übers Papier – oder Tablet – zu führen.
Aus den Beschreibungen der Tastsinnesorgane lassen sich noch weitere Wahrnehmungsaspekte ableiten. Zum einen wird unterschieden in Oberflächenwahrnehmung wie Form, Härte, Temperatur und Tiefenwahrnehmungen wir Beugung der Gelenke oder Ausrichtung des gesamten Körpers. Andererseits unterscheiden wir in taktile, das heißt passive Reize und haptische Wahrnehmung durch eigenes aktives Zutun.
Haptik ist aber nicht allein ein technisch-objektiver Prozess. Für unsere Wahrnehmung spielt der „Computer zwischen den Ohren“, das Gehirn, eine wesentliche Rolle. Die Erinnerung an und das Wissen über Gefühltes, also unsere Erinnerung, läßt uns nach einem schweren Gegenstand anders greifen als nach einem rohen Ei.
Ausnutzung der Haptik in der grafischen und Verpackungsindustrie
Die heutige Produktwelt ist gekennzeichnet von einer Produktvielfalt und Übersättigung. Für Hersteller wird es immer schwieriger, neue Produkte auf dem Markt zu etablieren. Das „Zauberwort“ hier heißt Multisensorik. Nicht das Ansprechen eines Sinnes allein schafft den Erinnerungswert und Wiederkaufwunsch beim Konsumenten, sondern die Vervielfachung der Wahrnehmung und Erinnerung, sobald mehr als ein Sinn aktiviert wird. Hier spielt die haptische Marke eine entscheidende Rolle. Solch haptische Marken – Produkte, die wir im Dunkeln erfühlen – sind zum Beispiel die Coca-Cola- oder ODOL-Mundwasser-Flasche.
Doch nicht nur die Form, auch spezielle Oberflächenmerkmale prägen sich beim Konsumenten ein. Strukturierte Oberflächen durch Prägungen, erhabene Motive durch Relieflack oder ein veränderter Reibungskoeffizient durch partiellen Glanzlack sorgen gleichzeitig für eine Aufwertung einer Verpackung und damit instinktiv des darin enthaltenen Produktes. Pralinenschachteln, Parfüm- und Zigarettenpackungen, aber auch Broschurenumschläge von Softcoverprodukten seien als Beispiele genannt.
Kombination Optik und Haptik
Die Kenntnis der Funktionsweise haptischer Wahrnehmung und ihr Zusammenspiel mit visueller Wahrnehmung erlaubt es, eine gezielte Beeinflussung bei Produkt- und Verpackungsgestaltung vorzunehmen.
Versuche im Rahmen von Abschlussarbeiten an der Fakultät Medien haben beispielsweise ergeben, dass Prägungen gleicher Ausformung (Prägetiefe), aber unterschiedlicher Farbe des Motivs auch unterschiedlich wahrgenommen werden. Bei dunklen Motiven sind Höhenunterschiede leichter sichtbar. Ebenso wird die Ausrichtung gedruckter und geprägter Linien bei rechtwinkligem Verlauf deutlicher als bei parallelem. Dies sind Aspekte, die durch Verpackungsentwickler und Designer gezielt ausgenutzt werden können.
Wie jedes Kolloquium endete auch diese mit einem kühlen Bier, Radler oder Wasser, an einem heißen Tag wie diesem ein willkommener Ausklang.
1. Karriereabend für Druck- und Verpackungsingenieure – iP³ Kolloquium 2018
21.06.2018
Karriere im Wortsinn heißt so viel wie „Fahrstraße“ und stammt aus dem Lateinischen (carrus „Wagen“), so leitete Dr. Monika Kopra-Schäfer den Karriereabend ein. Wir verstehen darunter die persönliche Laufbahn eines Menschen in seinem Berufsleben, wobei umgangssprachlich der berufliche Aufstieg in einem Stellengefüge eines Unternehmens, der Weg nach oben, gemeint ist.
Der Karrierebegriff hat aber einen Wandel erfahren. Der schnelle, steile Weg nach oben auf der Karriereleiter in einem Unternehmen wird abgelöst von neuen eigenen Vorstellungen vom beruflichen Lebensweg einerseits, von Notwendigkeiten in der Jobwelt andererseits.
Es gibt keine Garantie mehr für lebenslange Beschäftigung in einem Unternehmen bzw. in einem Job; die Verweildauer in einer Firma wird kürzer. Mitarbeit in Projekten, Jobrotation und Jobsharing fordern Anpassungsfähigkeit an wechselnde Aufgaben sowie soziale Kompetenz im Umgang mit mehreren Chefs und immer wieder anderen Teammitglieder. Berufslaufbahn heißt heute Sequenz von wechselnden und immer wieder neuen Erfahrungen.
Um in der Arbeitswelt selbstbewusst und dauerhaft zu bestehen, ist Selfmarketing erforderlich. Den eigenen Lebenslauf gilt es lückenlos und ehrlich zu schreiben und kontinuierlich zu pflegen. Projekte, an denen man beteiligt war, sind anzuführen, Referenzen und Anerkennung zu sammeln. Dazu gehört auch, die eigenen Kompetenzen zu ermitteln und Worst-Case-Situationen durchzuspielen. Der Aufbau von Netzwerken bezieht sich nicht nur auf die digitale Welt, steigende Bedeutung erlangen Mitgliedschaften in Verbänden, Besuch von Messen und Tagungen, um neben Wissenszuwachs auch Kontakte aufzubauen und zu pflegen.
Ein Blick auf die Arbeitswelt am Beispiel der Verpackungswirtschaft eröffnet breite Möglichkeiten. Da sollte für jeden Absolventen etwas dabei sein, seinen Fähigkeiten und seinen Neigungen entsprechend einen Arbeitsplatz nach dem Studium zu finden. Zehn Karrieretipps gibt es noch mit auf den Weg.
Vor dem Traumjob aber liegen Bewerbungsschreiben und Vorstellungsgespräch. Worauf es dabei ankommt und was man lieber vermeiden sollte, beleuchtete Dr. Hans-Georg Rottenegger im zweiten Teil des Vortrags.
Ob Bewerbung auf eine Stellenausschreibung oder Initiativbewerbung – auf die richtige Adresse und einen Ansprechpartner kommt es an, auch auf eine eigene seriöse Absenderadresse bei E-Mail-Bewerbung, will man nicht gleich auf der Ablage oder im Spam-Ordner landen.
Es empfiehlt sich, Fakten und Formulierungen im Bewerbungsschreiben aus Empfängerperspektive zu wählen – was interessiert den Personaler, was hebt mich von anderen Bewerbern ab, was kann ich dem Unternehmen bieten. Dafür ist es sinnvoll, sich über die Firma zu informieren, ihre Webseite zu besuchen und sich dabei ein Bild vom Unternehmen zu machen.
Apropos Bild: das professionelle Schwarz-Weiß-Foto hinterlässt ein im wahrsten Sinne des Wortes besseres Bild vom Bewerber als ein Ausschnitt aus einem farbigen Urlaubsfoto, das, einfarbig ausgedruckt, jede Ähnlichkeit mit dem Bewerber verliert.
Beim Bewerbungsschreiben alles richtig gemacht? Dann stehen die Chancen gut, zum Vorstellungsgespräch eingeladen zu werden. Nicht nur fürs Aussehen, vor allem für das Wohlfühlgefühl während des Gesprächs lohnt dafür die Investition in einen gut sitzenden Anzug. Pünktlichkeit ist selbstverständlich. Das angebotene Getränk darf man gern annehmen, selbst wenn die Aufregung auch ohne einen Kaffee schon groß genug ist. Block und Stift sind nicht verkehrt, damit man während des Gesprächs entstehende Fragen nicht vergisst.
Nichts ist so praktisch wie eine gute Theorie. Die Tipps lassen sich gleich für die Bewerbung für das Praxissemester oder den ersten Job nach dem Masterstudium in die Praxis umsetzen.
Dr. Monika Kopra-Schäfer und Dr. Hans-Georg Rottenegger sind beide als Senior Beraterin bzw. Berater bei BGH-Consulting, Starnberg, tätig. Das Unternehmen berät in Fragen des Personalmanagements und der strategischen Ausrichtung. An Hochschulen mit Studiengängen im Papier- und Verpackungsbereich in München, Berlin, Dresden und Graz werden seit längerer Zeit Karriereabende durchgeführt. Für Leipzig war der Karriereabend eine Premiere.
Printed Smart Devices – iP³ Kolloquium 2018
14.06.2018
Referentin Dr. Karin Weigelt, Geschäftsführerin von Prismade Labs GmbH in Chemnitz, begann ihren Vortrag mit einer Vision aus dem Jahr 2004, die in der Ausstattung sämtlicher Produkte im Einzelhandel mit RFID-Etiketten bestand. Jeder Joghurtbecher und jede Pralinenschachtel sollte auf diese Art gekennzeichnet werden. Lästiges Anstehen an der Kasse im Supermarkt entfällt – beim Passieren eines Scanners melden die Artikel ihren Preis und die Abbuchung von der Kreditkarte folgt auf dem Fuß. Nur nach Hause tragen muss man seinen Einkauf noch.
Doch der Preis für einen RFID-Tag von 10…20 Cent vereitelt nach wie vor eine Umsetzung dieser Idee für Artikel des täglichen Bedarfs mit ihrem in der Regel niedrigen Preisniveau. Zudem ist das Recycling problematisch, denn der Chip macht aus jedem Packmittel ein Elektronikprodukt. So kommt die Kennzeichnung von Artikeln mittels NFC oder RFID bis dato lediglich für Premiumprodukte wie hochpreisige Spirituosen zum Einsatz. Zur Realität geworden ist die RFID-Kennzeichnung für Umverpackungen oder komplette Ladeeinheiten, zum Beispiel von Mehrwegbehältern und Paletten, wo sie wesentlich zur Optimierung der Logistikprozesse beiträgt.
Aus der Vision der Einzelkennzeichnung von Artikeln hat das Unternehmen Prismade Labs aus Chemnitz Entwicklungspotential abgeleitet und nach Wegen gesucht, eine preiswerte und nachhaltige Kennzeichnung anzubieten. Die Idee basiert auf der Tatsache, dass heute jeder Mensch ein Smartphone bei sich trägt, das als Multifunktionsgerät über Display, Kamera, Mikrofon, Lautsprecher und viele verschiedene Schnittstellen verfügt. Warum also jedes Einzelprodukt mit Funktionen ausstatten, über die ein Lesegerät in der Tasche des Verbrauchers ohnehin verfügt.
Nun heißt es, die Produkte, Verpackungen oder Dokumente mit einem Code auszustatten, den das Smartphone erfassen kann. Die benötigten elektrisch leitfähigen Strukturen entstehen in der Druckmaschine, integriert in den ohnehin erforderlichen Druckvorgang, unter bekannten Gegebenheiten und gewohnten hohen Produktionsgeschwindigkeiten. Beliebige Druckverfahren kommen in Frage: Offset‑, Tief‑ und Flexodruck, Versuche wurden auch mit Siebdruck und Inkjet durchgeführt. Als Druckfarbe kommt u.a. kohlenstoffbasierte Farbe zur Anwendung, die ohne Probleme dem Recycling-Kreislauf zugeführt werden kann.
Ohne Einschränkung ihrer Funktionsfähigkeit können die Strukturen überdruckt, mit Etikett abgedeckt werden oder auf Innenseite einer Packung angeordnet werden. Es handelt sich somit um einen versteckten, unsichtbaren Code.
Zum Auslesen der gedruckten Strukturen wird das Objekt, zum Beispiel Schachtel, Etikett oder Dokument, mit dem Display des Smartphones in Kontakt gebracht. Der gedruckte Code gilt als Schlüssel zum Zugang von Informationen, die in einer Datenbank hinterlegt sind.
Für den Verbraucher bietet diese Technologie eine einfache, zeit- und ortsunabhängige Möglichkeit, um beispielsweise die Originalität eines Produktes zu verifizieren. Die Prismade Labs bietet ihren Kunden kopiergeschützte Markierung für Textilien, Uhren und andere Produkte an, die im Gegensatz zu heute üblichen Hologrammen durch den Konsumenten zweifelsfrei verifizierbar ist. Zudem können Zusatzinformationen zu erklärungsbedürftigen Produkten abgerufen werden. Für den Hersteller bietet die Technologie die Möglichkeit direkt mit dem Endkunden in Kontakt zu treten und darüber hinaus z. B. Produktbewegungen und Graumarktware zu erkennen.
Weitere Anwendungsbeispiele der Technologie liegen in der Verifizierung von Dokumenten und ID-Karten sowie in den Bereichen Lotterie und interaktiven Spielen.
Abschließend zu ihren fachlichen Ausführungen gab die Referentin einen kurzen Einblick in die Firma Prismade Labs GmbH und den Weg der beiden Gründer bis heute. Dem Vortrag schloss sich eine rege Diskussion zu diesem spannenden Thema aus der Druckbranche an.
Interesse am Thema geweckt? Prismade sucht Mitarbeiter, Praktikanten, Werkstudenten und hat Themen für Abschlussarbeiten parat. Anfragen bei Prismade Labs.
Totgesagte leben länger! – iP³ Kolloquium 2018
24.05.2018
Mit dem Drucken ist noch lange nicht Schluss!
Andreas Pieritz leitete seinen Vortrag im lockeren Erzählton damit ein, dass er sich bereits seit der Lehre als Tiefdrucker mit „schmutzigem Papier“ beschäftige und dass er gern an seine Studienzeit in Leipzig zurückdenke. Nach dem Masterabschluss der Druck- und Verpackungstechnik hat Pieritz seinen Berufseinsteig in einem klassischen Bereich der Druckindustrie gefunden – in der Katalog- und Zeitschriftenproduktion bei der Firma Prinovis, Europas größtem Druckdienstleister. In seinem Aufgabengebiet in Verkauf und Kundenberatung fühle er sich ausgesprochen wohl.
Die Umsatzzahlen und Anzahl der produzierenden Beriebe für diese Produkte allerdings sind ernüchternd. Kataloge und Zeitschriften im Offset- und Tiefdruck sind seit Jahren rückläufig.
Warum sich also mit dieser Thematik auseinandersetzen, gar studieren?
Druck bedeutet Emotionen, Druck ist nachhaltig und lädt zum Verweilen ein. Gedruckte Zeitschriften und Kataloge sind hervorragende Beispiele, dies zu beweisen. Sie behalten trotz veränderter Mediennutzung ihre Existenzberechtigung, doch heißt es, diese Produkte geschickt umzusetzen, aufzuwerten und im Medienmix zu etablieren. Das sind Herausforderungen, und wer auf Herausforderungen keine Lust hat, der solle ein anderes Fachgebiet wählen.
Einige Innovationen und clevere Ideen zeigte der Referent exemplarisch auf.
Der Katalog stellt das Bindeglied zwischen Hersteller oder Händler und Käufer dar. Er repräsentiert ein Produkt so, dass der Käufer es unbedingt haben möchte, und lädt zum Stöbern und Blättern ein. Die Wertigkeit des Katalogs oder Werbemittels überträgt der Leser dabei auf das beworbene Produkt. Dem wird der Werbende u. a. durch Materialauswahl gerecht, wie Discounter in der Vergangenheit bewiesen – aus billigen Zeitungspapier wurde Illustrationsdruckpapier.
Bei Rückstichbroschuren bestärkt zudem ein hochwertiger Umschlag den Eindruck. Im Rotationsdruck mit integrierter Broschurenfertigung war es bislang nicht möglich, Umschläge höherer flächenbezogener Masse zu verarbeiten. Genau genommen ist es das heute auch nicht, aber mit einem verarbeitungstechnischen Trick entsteht dennoch ein schwererer Umschlag: durch Verkleben von zwei übereinandergeführten Bahnen des Inhaltspapiers durch vollflächigen Klebstoffauftrag wird die Masse des äußeren Viertelbogens verdoppelt.
Personalisierung und Kundenansprache sind weitere Aspekte im Katalogbereich. Damit ist weit mehr als der Aufdruck einer Adresse und Anrede gemeint. Anhand des Kaufverhaltens und unter Auswertung weiterer Kundeninformationen hat ein Anbieter seine Kataloge individuell auf den Empfänger abgestimmt. In einer Auflage von über zwei Millionen Exemplaren wurden zu einem einheitlichen Inhaltsblock individuelle Umschläge, die sich in der Farbe des abgebildeten Kleidungsstücks und einem aufgestickten Motiv unterschieden, digital gedruckt.
Ob dem Käufer nun durch diese kundenspezifischen Angebote die Möglichkeit genommen wird, sich jenseits seines bisherigen Kaufinteresses inspirieren zu lassen, und die Produktindividualität zum Nachteil gereicht, konnte aber in der Diskussion nicht abschließend geklärt werden.
Richtig interessant wird der gedruckte Katalog aber in Kombination mit Internet und APPs. Im Medienmix lässt sich die Attraktivität der einzelnen Medien erst richtig ausspielen.
Als einfaches Beispiel steht hier das Abfotografieren eines im Katalog gedruckten Artikels mit Smartphone oder Tablet, was direkt auf die entsprechende Seite im Online-Katalog führt, ohne lästige Linksuche. Ein einziger weiterer Klick, und der Warenkorb ist gefüllt.
Eine entsprechende APP erweitert den Betrachtungsraum dahingehend, dass das fotografierte Objekt, ein Möbelstück beispielsweise, farblich und in der Ausführung variiert und in den eigenen vier Wänden platziert wird. Es fehlt bloß noch das Probesitzen – hier gibt es für Augmented Reality noch Entwicklungspotenzial.
Im Modebereich geht es nach dem Ablichten der gewünschten Modelle von der gedruckten Seite zur virtuellen Anprobe, einschließlich Kombinieren von Kleidungsstücken, Variieren deren Farbe und Ergänzen mit Accessoires. Voraussetzung hier ist allerdings, dass man sich im Store des Händlers vorab hat dreidimensional einscannen lassen.
Der Referent stellte hochspannende Beispiele dar, die aus dem klassischen Druckprodukt Katalog ein multimediales Erlebnis machen. Er wirft aber auch ein, dass diese Maßnahmen mit nicht unerheblichem Aufwand verbunden sind und das Aufwand-Response-Verhältnis sorgfältig abzuwägen sei.
Ein abschließender Blick in den Zeitungs- bzw. Zeitschriftenbereich zeigt eine interessante Entwicklung einer renommierten Tageszeitung. Die täglichen News werden immer weniger aus dem gedruckten Tageszeitungen abgerufen, während wöchentlich erscheinende Ausgaben relativ stabil bleiben. Über die Auswertung der online genutzten Beiträge gibt es nun eine wöchentliche gedruckte Zusammenfassung der am häufigsten aufgerufenen Ereignisse.
Als Resümee lässt sich zusammenfassen, dass nicht allein der Markt entscheidend ist für eine Branche, sondern wie sich ein Unternehmen aufstellt und wie man selbst in seinem Job agiert. Im unmittelbaren Tätigkeitsbereich des Referenten beispielsweise machen Beratung und Kompetenz den Unterschied gegenüber bloßem Verkauf.












